Die Fussball-WM 2026 endet sportlich interessant, zumindest laut meinen Töchtern. Doch was bleibt, sind die Bilder pöbelnder, körperlich übergriffiger Männer. Und ja: Die mutmasslich unsportlichen Verhaltensweisen der FIFA und einzelner Schiedsrichter passen in dieses Bild wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Warum wir dieser ethischen Hypothek von einer Organisation nicht längst die Tür weisen, bleibt mir ein Rätsel.
Eigentlich geht es aber um etwas anderes: Gewalt. Sie zieht sich aktuell wie ein roter Faden durch unsere gesellschaftlichen Debatten. Studien zeigen seit Jahren, dass Grossereignisse wie Weltmeisterschaften häusliche Gewalt verstärken. Prävention müsste deshalb schon längstens ein sicherheitspolitischer Zwang sein.
Trotzdem behaupten manche, Frauenhäuser seien Luxus. Fun Fact: Wir haben zu wenige, und die wenigen sind chronisch überfüllt. Gleichzeitig kürzen wir Präventionsbudgets, während Milliarden für überteuerte Kampfjets bereitstehen, wobei sich das kollektive Über-den-Tisch-Ziehen fast angefühlt haben muss wie Nestwärme.
Dann diese «richtigen Männer» und ihre K.-o.-Tropfen. Kann mir das mal jemand erklären? Opfer solcher Übergriffe müssen nicht nur die Gewalt überleben, sondern auch eine Bürokratie, die sie behandelt, als wären sie ein Versicherungsfall. K.-o.-Tropfen-Übergriffe gelten übrigens versicherungstechnisch als Krankheit, was gravierende Folgen für IV-Ansprüche und psychologische Betreuung hat. Wie unmenschlich wollen wir noch werden?
Wer je miterlebt hat, was Opfer geschlechtsspezifischer oder häuslicher Gewalt medizinisch, polizeilich und juristisch durchmachen müssen, weiss: Die Schweiz versagt im Opferschutz. Jeden Tag. Es ist unsere Aufgabe hinzuschauen und Hilfe anzubieten. Auch hier in Worb ist es die Aufgabe von Politik, Gemeinderat und Ämtern genügend Mittel für Prävention bereitzustellen.
Gewalt ist kein «allgemeines Lebensrisiko». Keine «private Tragödie». Sie ist ein gesellschaftliches Problem, gespeist durch Überforderung, starre Rollenbilder und eine Kultur, die Täter entschuldigt und Opfer prüft. Und es betrifft auch uns hier in Worb. Darum muss der Gemeinderat dringend die Gewaltprävention ernst nehmen, griffige Massnahmen anstossen und diese breit kommunizieren.
Mathias Marthaler
Mitglied Parlament
Mitglied Finanzkommission
SP Worb Vorstand
