Manchmal zeigen Wahlen mehr als nur Verschiebungen der Sitzverteilung. Die jüngsten Wahlen im Kanton Bern gehören in diese Kategorie. Die SP hat zugelegt: vier Sitze, neu 36 Mandate. Ein Resultat, das nicht vom Himmel gefallen ist, sondern aus Gesprächen, Präsenz, einer klaren sozialdemokratischen Positionierung und guter Arbeit gewachsen ist. Auch in Worb hat sich gezeigt: Wer konsequent für gute Bildung, bezahlbaren Wohnraum und einen starken Service public einsteht, wird gehört. Danke an dieser Stelle für Ihr Vertrauen und Ihre Stimme.
Und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack. Die Wahlbeteiligung lag nur bei einem Drittel. Das heisst, zwei von drei Wahlberechtigten im Kanton haben nicht gewählt. Das ist kein Randphänomen, sondern ein demokratiepolitisches Alarmsignal.
Gemeindepolitik ist nahbar und nationale Politik, durch die Medien, omnipräsent. Dazwischen eingequetscht, verschwinden die kantonalen Wahlen: zu komplex, zu abstrakt, zu wenig sichtbar. Dabei bestimmen sie, wie wir in Worb leben – ganz konkret, jeden Tag. Denn die kantonale Politik entscheidet darüber, wie unser Alltag aussieht – ob die Spitex genügend Ressourcen hat, ob der Bus abends noch fährt, ob Kita-Plätze bezahlbar bleiben oder ob die Poller oben sind.
Auch bei schweizweiten Abstimmungen ist eine hohe Stimmbeteiligung wichtig. Gerade zur anstehenden «Nachhaltigkeits-Initiative» der SVP sollten möglichst alle Stimmberechtigten ihre Meinung äussern, statt wie üblicherweise nur knapp die Hälfte. Die Initiative gefährdet unseren Wohlstand und die bilateralen Beziehungen. Fachleute argumentieren, dass sie Ängste schüre statt Lösungen zu bieten. Wer sich nicht beteiligt, überlässt das Feld jenen, die komplexe Herausforderungen auf einfache Parolen reduzieren und damit die Realität verzerren.
Demokratie funktioniert nur, wenn wir sie nutzen – sonst tun es andere für respektive gegen uns.
Mathias Marthaler
Mitglied Parlament
Mitglied Finanzkommission
SP Worb Vorstand
