Ja zur Pflegeinitiative! Applaus reicht nicht!

Avatar of SP Worb SP Worb - 06. October 2021 - Wahlen und Abstimmungen

Das Gesundheits- und Pflegepersonal arbeitet am Limit. Mit der Covid-Pandemie hat sich der Druck auf das Personal weiter verschärft. Rund ein Drittel der Pflegefachpersonen zeigt Symptome von Burnout, Depressionen oder Angsterkrankungen. Der Stress ist so gross, dass über 40 Prozent des Pflegepersonals den Job wechseln und nicht mehr im Pflegebereich tätig sind. 

Dass die Arbeitsbedingen in der Pflege schlecht sind, ist kein Zufall. Berufe, in denen grossmehrheitlich Frauen arbeiten, werden gesellschaftlich immer noch weniger wertgeschätzt als sogenannte «Männerberufe». Der Irrglaube ist immer noch weit verbreitet, dass Frauen lieber Care-Arbeit übernehmen wollen und sich dafür gerne aufopfern. Für die SP ist klar: Pflegende übernehmen lebensnotwendige Aufgaben und brauchen anständige Arbeitsbedingungen.

Die Pflegeinitiative verlangt:

  • Bessere Arbeitsbedingung: Wer pflegt, trägt viel Verantwortung und soll einen guten Lohn erhalten.
     
  • Mehr Zeit: Gute Pflege braucht Zeit. Das geht nicht ohne genügend Personal. Es braucht mehr Pflegende in den Schichten und mehr Ausbildungsplätze, um den Personalnotstand anzugehen.
     
  • Notwendige Kompetenz: In der Pflege arbeiten gut ausgebildete Menschen. Diese müssen die notwendigen Kompetenzen erhalten, um effizient arbeiten zu können. Dazu gehört, dass Pflegefachpersonen selber abrechnen können. 

Das fordert die Pflegeinitiative im Detail:

Aus- und Weiterbildungen fördern
Die Aus- und Weiterbildung in der Pflege ist finanziell zu unterstützen. Der Ausbildungslohn zur diplomierten Pflegefachperson HF/FH muss erhöht werden, damit die Zahl der Berufseinsteiger:innen rasch steigt. Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit benötigen attraktive Anschlussmöglichkeiten, damit sie die Ausbildung zur diplomierten Pflegefachperson in Angriff nehmen.

Qualität und Patientensicherheit garantieren
Eine Pflegfachperson darf abhängig von ihrem Bereich nur für eine maximale Anzahl von Patienten zuständig sein. Das garantiert Qualität und Patientensicherheit, effizienten Mitteleinsatz und eine längere Berufsverweildauer durch erhöhte Arbeitszufriedenheit.

Pflegeleistungen angemessen abgelten
Die Finanzierung der Pflegeleistungen soll dem tatsächlichen Pflegeaufwand entsprechen. Das bedeutet, dass die Tarife und Beiträge die Aufwände sachgerecht abdecken müssen, damit genügend qualifiziertes Personal angestellt werden kann.

Anerkennung von eigenverantwortlichen Pflegeleistungen
Gemäss Artikel 25 KVG gelten Pflegefachpersonen bezüglich eines Teils ihrer Leistungen neu als eigenständige Leistungserbringer (Neuregelung gemäss Nationalrat). In Artikel 25a Absatz 3 KVG wird konkretisiert, dass der Bundesrat jene Leistungen bezeichnet, die auch ohne Anordnung oder Auftrag eines Arztes von der Grundversicherung abgegolten werden. Dies betrifft den eigentlichen Leistungsbereich der Pflege, nämlich die Massnahmen zur Abklärung, Beratung, Koordination und die Grundpflege. Die Massnahmen aus dem ärztlich delegierten Leistungsbereich der Pflege (Untersuchungen und Behandlungen) müssen weiterhin von einem Arzt oder einer Ärztin angeordnet werden.

Arbeitssituation ist zu verbessern
Es ist von grosser Bedeutung, dass die Zeit-und Dienstplanung verlässlich ist. Das macht den Beruf leichter mit Familienpflichten vereinbar. Die Arbeitsbedingungen sollen in einem GAV geregelt sein oder einem GAV-Standard entsprechen. Damit können Pflegende länger im Beruf gehalten werden, und Pflegende mit Betreuungspflichten dürften vermehrt in den Pflegeberuf zurückkehren.

Links:
- Verein «Ja zur Pflegeinitiative»: https://www.pflegeinitiative.ch
- Kampagne zu unterstützen unter https://mailchi.mp/sp-ps/pflege-initiative

Interessantes:
- Berner Zeitung: Bis 2030 fehlen der Schweiz 20’000 Pflegekräfte, 06.09.2021
- Republik, Wenn man über Wochen alles tut, was man kann – und dann reicht es doch nicht, 28.09.2021

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